Homöopathie für Katzen – Kater Felix

Tiere homöopathisch behandeln

Diesen aktuellen Fall aus meiner Praxis „Naturheilkunde bei Tieren“ zu lesen lohnt sich, Sie werden danach mehr Verständnis und einen tieferen Einblick in die Homöopathie für Tiere haben und eine Vorstellung der Arbeit und Vorgehensweise eines gut ausgebildeten Tierhomöopathen. Die Lebensgeschichte von Kater Felix ist sehr spannend und Felix hat bereits einiges hinter sich, als er bei mir vorgestellt wird. Er kommt mit den Themen Bauchlecken, Pfoten beißen und Ängstlichkeit.

Felix gehört zu einer Katzengruppe von 3 Tieren, welche aus einem Tierheim zu Halterin kamen…

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… Im Mai diesen Jahres kontaktierte mich die Halterin auf Empfehlung des Tierheims, der Kater hat seit längerem Probleme, das Thema: Bauchlecken, kein Fell mehr am Bauch, die Stelle ist stark gerötet und er malträtiert zusätzlich die Vorderpfoten. Es besteht eine deutliche Verschlimmerung, er ist dann wie weggetreten und nicht ansprechbar. Die Halterin ist offen für Tierhomöopathie.

Zur Vorgeschichte: Felix kommt von einem Messi-Ehepaar ins Tierheim, dort lebt er 4 ½ Jahre, zusammen mit weiteren Katzen. Er ist kastriert, 8-10 Jahre alt. Die jüngste Katze der Gruppe nahm er als Vater an und bemutterte sie.  Einmal war er vermittelt, kam jedoch zurück ins TH da die Menschen mit seinem Bauchlecken überfordert waren.

Nach dem Einzug war alles in Ordnung bis nach ca. 3 Wochen Felix begann die anderen Katzen von den Toiletten zu verjagen. Von einem Tierarzt mit homöopathischer Zusatzausbildung bekommt Felix das Mittel Ignatia in einer C200 Potenz, 3malige Gabe hintereinander (!) [Anm. wir werden sehen, eine C200 dreimal hintereinander führt fast zwangsläufig in die Arzneimittelprüfung, zumal Kater Felix sehr sensitiv ist und sofort auf eine Mittelgabe reagiert.]
Ignatia (Ignatiusbohne, ein dornenloser Kletterstrauch aus der botanischen Familie der Loganiengewächse) ist ein sehr bekanntes Mittel, die Hauptthemen sind: Kummer, Widerspruch, Wechselhaftigkeit, Verletzlichkeit und Sensibilität. Das Mittel war nicht unpassend gewählt, aber viel zu heftig dosiert. Jeder der einmal eine Arzneimittelprüfung hinter sich hat, möchte diese nicht wieder erleben!

Nach der 3maligen Gabe ist Felix wie ausgewechselt, er ist friedlich, macht jetzt gar nichts mehr, Jagen der Katzen war Geschichte, Lecken wurde mehr (!). Er wimmert viel und will nicht lange allein bleiben. Er ist sehr sensibel, schimpft die Halterin, zieht er sich zurück und kommt erst nach 30 Min. wieder in Balance. Insgesamt wirkt er zurückgezogen, hin und wieder lethargisch. Er nimmt sich zurück, wird von der kleinen Katze von seinem Platz vertrieben, wenn er bei der Halterin ist. Danach leckt er sich den Bauch oder knabbert sich die Pfoten. Er mag nicht alleine sein, geschlossene Türen sind ihm ein Gräuel, er spricht viel und ist unsicher, etwas falsch zu machen. Er hat auch Angst vor der Hand und Menschen. Das Bauchlecken war schon immer da, zu Beginn bei Einzug weniger. Schnelle Bewegungen und Geräusche machen ihm Angst, bleibt aber wenn der Staubsauger kommt. Wichtig ist, dass Mensch und Katzen da sind, sein Schutzraum ist ihm sehr wichtig. Er reagiert sensibel auf die Stimme der Halterin. Bei Nervosität bekommt er Durchfall. Hektik, laute Gespräche und zu viel Nähe mag er nicht. Im Wesen beschreibt man ihn als sensibel, stur, liebevoll, verspielt, mitteilsam, nervös, will nicht allein sein, gemütlich, nachgiebig, gutmütig, nimmt sich sehr zurück. Nähe und Vertrauen kann er nicht zu lassen. Wichtig sind ihm auch seine Katzenfreunde und die Kuscheldecke, ein Aussichtsturm und Fressen. Festhalten ist für ihn der Horror. Er hat verstärkt braune Absonderung im Ohr und leidet hin und wieder unter Hautausschlägen am Kinn.

Wie zeigt sich unser Patient der Homöopathie für Katzen?

Ein Kater der zunächst sein Zuhause verlassen muss in dem er 4 ½ Jahre lebte. Zu seiner Geschichte wissen wir, dass er aus einem Messi-Haushalt kommt. Wie er dort lebte, ob als Freigänger ist nicht bekannt. Im  neuen Heim muss sich die Katzengruppe neu organisieren, es kommt zu Spannungen. Das Bauchlecken ist ein Ausdruck seines inneren Erlebens, dies machte er schon im TH. Im neuen Zuhause wird dies weniger, dafür verfolgt er die Katzen. Die übermäßige Ignatia-Gabe führt zu einer Arzneimittelprüfung, er wird lethargisch, zieht sich zurück, wimmert und weicht vor den anderen Katzen, dieser Zustand hält Monate an und es wundert somit nicht, dass Ignatia in der Auswertung eines der ersten Mittel ist: Felix zeigt die Symptome des Mittels, was natürlich nicht sein soll! Gleichzeitig wird das Lecken mehr. Dies ist sein Ventil, um mit seinen Themen fertigzuwerden. Würde man jetzt Cortison geben, verlagert sich sein „Ventil“ auf eine andere Ebene mit ungewissen Auswirkungen auf seine Psyche oder Organe. In seinem Leben gab es viele Wechsel und Veränderungen, auch weil das Umfeld mit seinem Verhalten überfordert war.

Dass er gerne auf erhöhten Plätzen liegt ist für uns nicht interessant, da dies alle Katzen gern tun. Somit gehört es nicht zum Charakteristischen von Felix. In der Homöopathie bei Tieren achten wir auf das Besondere, d. h. das Charakteristische dieses einzigartigen Patienten.

Die Auswertung der Symptome mittels Programm ergibt folgenden Mittereihenfolge: Sepia, Pulsatilla, Sulphur, Arsenicum-album, Natrium-muriaticum, Lachesis, Ignatia, Calcium-carbonicum, Lycopodium, Silicea, Phosphorus, Belladonna

Jetzt ist es wichtig, dass man als gut ausgebildeter Tierhomöopath die Mittel und deren Eigenschaften kennt! Es gibt „große Mittel“, welche sehr oft unter den ersten 10 Möglichkeiten sind. Das muss man wissen und auch, wie dies von Fall zu Fall einzuschätzen ist. Das Computerprogramm ist lediglich eine Stütze, ein Bruchteil der eigentlichen Arbeit in der Homöopathie für Tiere. Wir sehen uns die ersten 10-15 Mittel genauer an,  betrachten ihre Eigenschaften und worin sie sich unterscheiden. Es gibt viele „Kummer-Mittel“,  „Schock-Mittel“ oder Mittel für Verletzungen, alle sind unterschiedlich. Kummer oder Schock zeigen sich individuell. Tiere homöopathisch behandeln heißt verantwortungsvoll und gewissenhaft zu arbeiten.

Ich entscheide mich für Nat-m in einer LM-Potenz, da Felix sensibel reagiert und LM-Potenzen die Möglichkeit geben, die Gaben fein zu steuern.

Nach der Gabe: er zeigt sich, nimmt sich weniger zurück, lässt sich nicht so leicht verunsichern, behauptet seinen Platz, hat weniger Angst vor Nähe, läuft hinterher, ist anhänglicher, tobt wie ein Kater, nicht mehr lethargisch.

Später leckt er sich den Bauch, die Halterin hält es nicht aus und gibt von sich aus eine Gabe Cortisonum D6, danach ist es mit dem Lecken vorbei! Er ist nun wieder ruhiger, nicht so energetisch, nimmt sich wieder zurück und zeigt später wieder verstärktes Lecken.
[Anm: Durch die ungewollte Corti -Gabe kam es vermutlich zur Unterdrückung. Er verfällt in alte Muster. Wenn wir Tiere homöopathisch behandeln müssen wir genau gucken, was passiert, was zeigt uns der tierische Patient.]
Da Felix sich mit Nat.-m. gut entwickelt machen wir mit sanften Gaben weiter. Er wird zutraulicher, die Halterin darf ihn mal streicheln, gleichzeitig behauptet er sich bei den anderen Katzen und lässt sich seinen Platz nicht mehr streitig machen. Im Spiel tobt er mehr.

Eines Tages hat Felix einen Anfall, mit großen Augen, fühlt sich bedroht, erkennt sein Umfeld nicht wieder, angespannter Körper usw. Dieser Anfall hält mehrere Stunden. So ähnlich war er auch mal zu Beginn nach Einzug.
Ich rolle diesen Tierhomöopathie Fall neu auf und betrachte die aktuellen Symptome neu. Jetzt fällt auf, dass es aus ihm heraus bricht. Er lässt seine Energie raus, die vorher gedeckelt wurde. Solche Anfälle sind sehr ernst zu nehmen und somit muss an ein anderes Mittel gedacht werden. Es treten die Themen: Heftigkeit und plötzliche Energieentladung in Vordergrund.

Er bekommt das Mittel Stramominum (Stechapfel Datura stramonium L.) mit den Themen: Ängste, Krämpfe, Zuckungen, Aggression und Gewalt in einer LM-Potenz und weiter verdünnter Gabe, da er sehr sensibel reagiert. Danach treten Besserungen auf allen Ebenen ein. Dieses Mittel bekommt er bis heute in fein abgestufter Häufigkeit, Felix zeigt uns wie oft er es braucht.

Gemeiner Stechapfel

Homöopathie für Tiere – Stramonium

Das Bauchlecken ist sein Ventil, es wird vermutlich bis zum Schluss bleiben und als letztes Symptom gehen.

Für Sie kommt Homöopathie für Tiere in Frage? Ich freue mich auf Kontakt unter (04 21) 16 69 49 13 oder Email